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Ist heute ein guter Museumstag?

Es gibt Fragen, die man nicht mehr los wird. Bei mir ist es diese: Ist heute ein guter Museumstag?
Sie stammt nicht aus einem Führungsseminar, sondern aus einem Roman. Und ausgerechnet dorthin hat mich eine Mentee geschickt; vielen Dank Waltraud Hermann (externer Link, öffnet in neuem Tab). Nach einem unserer Gespräche sagte sie: „Ich glaube, das Buch ‚The Big Five for Life' passt zu Ihnen." Sie hatte recht – mehr, als ihr damals bewusst war.
Drei Begriffe, die zusammengehören
John Strelecky (externer Link, öffnet in neuem Tab) erzählt die Geschichte von Joe, einem unzufriedenen Angestellten, und Thomas Derale, einem Unternehmer, den er als die großartigste Führungspersönlichkeit der Welt beschreibt. Was für eine Zuschreibung. Und was für ein Anspruch.
Derale führt seine Unternehmen entlang von zwei Leitlinien:
Der ZDE – der Zweck der Existenz. Wofür bin ich da? Und: wofür ist dieses Unternehmen da? Nicht als Marketing-Satz, sondern als Antwort, die man morgens braucht.
Die Big Five for Life. Nicht eine Bucket List mit 200 Punkten, sondern fünf Dinge, die ich in meinem Leben tun, sehen, erleben oder werden will. Die Zahl ist der eigentliche Trick: Fünf zwingen zur Entscheidung.
Der Museumstag. Stellen Sie sich vor, am Ende Ihres Lebens führt man Sie durch ein Museum. Ausgestellt ist Ihr Leben – jeder Tag, jede Stunde. Nicht das Leben, das Sie sich vorgenommen hatten, sondern das, das Sie tatsächlich gelebt haben. Wie viele Räume würden Sie gerne überspringen?
Daraus wird eine tägliche Prüfung, die keine zwei Sekunden dauert: Ist heute ein guter Museumstag?
Warum das eine Führungsfrage ist
Das Bemerkenswerteste an Derale ist nicht, dass er seine eigenen Big Five kennt. Es ist, dass er die seiner Mitarbeitenden kennt. Er fragt im Vorstellungsgespräch danach. Er stellt nur ein, wenn er eine echte Verbindung zwischen dem Zweck des Menschen und dem Zweck des Unternehmens sieht.
Das ist Fiktion, und ich will es nicht zur Managementlehre erklären. Der Roman liefert keine Studie, sondern ein Bild. Aber das Bild trifft etwas, das empirisch gut belegt ist: Menschen leisten dann außergewöhnlich viel, wenn sie ihre Arbeit als selbstbestimmt, wirksam und sinnhaft erleben. Sinn ist kein weicher Faktor. Er ist die Bedingung, unter der Leistung überhaupt nachhaltig entsteht.
Und die Frage ist unbequem – für uns Führungskräfte zuerst. Denn wer die Big Five seiner Mitarbeitenden erfragen will, muss die eigenen kennen. Leading Myself kommt vor Leading My Team. Nicht als Reihenfolge im Organigramm, sondern als Reihenfolge der Glaubwürdigkeit.
Was Mentoring damit zu tun hat
Ich bin seit vielen Jahren Mentor. Und ich werde in diesen Gesprächen regelmäßig selbst zum Mentee – das ist kein Betriebsunfall, sondern der eigentliche Wert. In vertraulichen Gesprächen kommt man schnell an die Fragen, die im Tagesgeschäft keinen Platz haben. Der Buchtipp oben (und siehe unten) ist das beste Beispiel: Der Impuls kam von der Mentee zum Mentor.
Wer Mentoring als Einbahnstraße anlegt, verschenkt die Hälfte.
Mein eigener Anspruch
Ich habe mir vorgenommen, die beste Führungskraft der Welt zu werden. Das klingt vermessen, und ich weiß, dass ich nie ankommen werde. Genau deshalb funktioniert es: als Richtung, nicht als Titel. Für mich heißt das Learn to Serve & Protect – dienen und schützen, jeden Tag ein Stück besser.
Drei Fragen zum Mitnehmen
- 1Was sind Ihre fünf – und wann haben Sie sie zuletzt aufgeschrieben?
- 2Von wie vielen Menschen in Ihrem Team kennen Sie mindestens eine ihrer Big Five?
- 3Und die kürzeste von allen: Ist heute ein guter Museumstag?
Dr. Peter von Wartenberg (12.21)
Buchempfehlung: John Strelecky, The Big Five for Life – Was wirklich zählt im Leben (externer Link, öffnet in neuem Tab). Ich empfehle ausdrücklich das Hörbuch. Wer weiterlesen möchte: Das Leben gestalten mit den Big Five for Life (externer Link, öffnet in neuem Tab) – dort trifft die Fiktion auf ein reales Unternehmen, das seit Jahrzehnten nach ähnlichen Prinzipien geführt wird.
Ein Lied dazu, dass mich sehr berührt hat:
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